Sonntag, 21. September 2008

One-Way-Ticket


Normalerweise kann man es ja kaum erwarten bevor es endlich in den Sommerurlaub geht ... nicht unbedingt diesmal. Nicht das es am Reiseziel gelegen hätte, Südengland klingt nich nur toll, sondern hat auch echt alles zu bieten was man im Sommerurlaub so braucht - tolle Küsten und Strände, aber auch nette Dörfchen, interessante Städte und unglaublich tolle Natur - und natürlich kommt der Spaß auch nicht zu kurz ;-). Doch für England zu packen hieß vor allem "Wohnung umzuräumen", aus Wohnzimmer und Schlafzimmer sollten zwei WG-Zimmer werden. Denn nur für mich war England "nur" ein Urlaub - für Moritz sollte es der Auftakt fürs neue Semester sein.
So verstand es sich auch von selbst das die 2x20 kg Gepäck plus 2x Handgepäck diesmal vor allem für den männlichen Bedarf drauf gingen...

Mi:
Luton-Cheltenham-Glouchester-(Bristol)-Cheddar

Trotz der anstehenden Umstellung wollten wir uns den Urlaub nicht vermiesen lassen. Los gings relativ früh von Dresden mit einer Mitfahrgelegenheit nach Berlin, von dort flog 9:45 unser Flieger Richtung London Luton, wo auch schon unser Mietflitzer auf uns wartete. Mit einen kuscheligen Opel Corsa oder ähnlichem hatte wir gerechnet, und diesmal auch ein wenig gehofft (Sprit.. enge Straßen ..) - doch uns erwartete ein geräumiger Vauxhall Zafira ... Spannend gings auch gleich weiter, denn Moritz erste Linksfahr-Versuche standen an. Es ging gute 200 km nach Glouchester, wo Moritz die nächsten 3,5 Monate studieren sollte, und dann weiter über Bristol nach Cheddar, einem kleinen Dörfchen südlich Bristols (jaa, genau da, wo der Käse herkommt!). Und ich muss zugeben - Cheltenham und Glouchester machen schon mehr her als Chemnitz. Schon fast im Dunkeln erreichten wir unseren ersten Campingplatz - der uns stolze 23 Pfund wert war ... Doch noch waren nicht alle Herausforderungen gemeistert - der Zeltaufbau erforderten jegliche verborgene McGiver-Talente. Doch wer wenn nicht wir?


Do: Cheddar-Wells-Glastonbury-Exmoor-Ilfracombe-Barstaple-Clovelly-Bude
Den teuren Zeltplatz noch nicht ganz verdaut gings den nächsten Tag nach Chaddar rein, tolle Höhlen, die tiefste Schlucht Englands und einiges andere gabs zu sehen, doch nur für viel Geld. Also fuhren wir "nur" die enge Straße durch die Schlucht hoch und weiter nach Wells, wo eine beeindruckende Kathedrale stehen sollte. Doch der Platzregen überraschte uns und auch die Kathedrale war eher .. najaaaa ... Doch der Regen verschwand und wir wollte noch kurz den Stadtkern sehn - und huch - hier gibts ja noch eine Kathedrale! Und WAS für eine !!!
Nach Glastonbury ging es weiter, dort soll König Artus und mit ihm der heilige Gral begraben sein ... wir schnupperten etwas mystische Luft und weiter gings. Moritz wollte endlich ans Meer! Also ab auf den "Atlatic Highway" durchs Exmoor nach Ilfracombe. Der Blick über den Nationalpark und das Meer war genial. Nieselregen und Sonne bescherten uns noch den perfekten Regenbogen...
In Barnstaple gings zum ersten mal richtig ans Meer ran. Wildromantische, schieferartige Steine machten die in einer Bucht gelegenen Stadt wirklich sehenswert. Der Blick zu den grünen, sanftgewellten Hügeln bildeten ein tollen Kontrast! Einige Meilen weiter kamen wir nach Clovelly, einen hübschen Dörfchen was komplett unter Denkmalschutz steht und in einem steilen Hang hineingebaut wurde. Nur zu Fuß kann man die weißen, ausgestorben wirkenden Häuschen bewundern.
Der Atlantic Highway brachte uns weiter südlich auf ein hochgelegenen Campingplatz. Es war bereits dämmrig und so beschlossen wir trotz Sturmwarnung und der Empfehlung der Besitzer weiter zufahren dort unser Quartier aufzuschlagen - wir hatten ja ein Bergzelt und dazu auch noch ein windstilles Eckchen. Doch mitten in der Nacht begann auf einmal die Welt unterzugehen ... der Wind peitschte den Regen so heftig an die Zeltwände, dass ich überzeugt war wir würde die Nacht nicht unbeschadet überstehen.

Fr: Tintagel-Newquay-(Penzance)

Moritz tat die Nacht kein Auge mehr zu und am nächsten Morgen wachte ich sogar noch lebend auf, der Regen zog weiter und wir ließen unser Zelt trocken pusten ...
Nach dem wir die Grabstädte schon gesehen hatten wollten wir uns jetzt die Wiege König Arthurs ansehen, in Tintagel stehen direkt am Meer auf den Klippen die wenigen Reste der ehemaligen Burg. Weiter ging es nach Newquay - DEM Surferparadies schlechthin. Halbausgezogene Neoprenanzüge waren hier das Must-Have der Saison ;-)... man musste zugeben, der Sandstrand und die beeindruckenden Wellen hatten schon ihren Reiz. Und für schlappe 8 Pfund gabs den Neo und das Brett für ne reichliche Stunde. Die ging leider viel zu schnell um, auch wenn wir keine Welle standen und ich mehr Wasser verschluckt als verdrängte, war es einfach nur genial! Aber auch tierisch anstrengend, so merkte ich am nächsten Tag und vorallen in der Nacht, Muskelregionen von denen ich bis dato nur ansatzweise was geahnt hatte ... Übernachtet haben wir diesmal kurz vor Lands end, auf einem wirklich schönen Zeltplatz, mit netter Aussicht, relativ trocken und vorallem windstill! Doch diesmal war ichs die nur schwer die Augen zu kriegte ... dank Diclofenac bekam ich dann allerdings doch noch ein wenig Schlaf.


Sa: Land´s End-Lizard Point-Falmouth-st. Austell-Plymouth-Start Bay
Zwei Highlights erwarteten uns Heute - Lands End und Lizard Point. Der westlichste und der südlichste Punkt Großbritanniens. Sogar einen Seelöwen bekamen wir neben steilen Abhängen und farbigen Riffs zu sehen. Von dort ging es weiter nach Falmouth, St. Austell und schließlich nach Plymouth, wo wir in das Sealife wollten ... allerdings waren wir dafür eine halbe Stunde zu spät :-( ... so ging es zu "Capt´n Jaspers" - einem kulinarischen Insidertipp unseres Reiseführers. Rießensandwiches und Hamburger wurden uns versprochen und wir bekamen ein WIRKLICH gigantische Sandwich !! Völlig überfressen machten wir ein kleinen Verdauungsspaziergang und dann weiter auf der Suche nach ein Campingplatz ... wieder einmal fast verweifelt und im Stockdunkeln wurden wir letzendlich fündig.

So: Dartmouth-Paignton-Torquay-Dartmoor-Exeter-Bridport
Durch Dartmouth gings nur per Autofähre die nicht größer war als eine gewöhnliche Personenfähre. So schlängelten wir uns durch die zwei hübschen, durch eine Meermündung getrennten Dörfer weiter nach Paignton und Torquay, die vom Reiseführer zwar als Touristisch aber trotzdem als schönste Seebäder beschrieben wurden. Doch die See war flach und die Stadt eigentlich wie jede andere. Doch leckten wir Blut in einem dieser Amusements auf einem Pier. In Torquay machten wir sogar über 5€ Gewinn! Auch das vom Moritz runtergehandelte Bootsticket steigerte unsre Laune, es war auch noch sonnig und richtig schööön. Bis wir eine gute Stunde zu spät bei unserm Auto waren - 25 Pfund Strafe ... also schnell vergessen und rein ins idyllische Dartmoor, wo uns wilde Ponnys, träge Schafe und gelassene Kühe erwarten.. die Gras- und Heidelandschaft, mit den geschwungenen Hügeln und der irgendwie einzigartigen Natur, war eigentlich viel zu schön um nur durch zu fahren. Doch es ging weiter über Exeter Richtung Bridport wo wir wieder etwas zu spät ankamen und die Campingplatzsuche zum Horror wurde, nur lauter Luxus-Bungalowplätze fanden wir ... viel zu spät schlugen wir unser kleines Zeltchen im 5-Sterne-Campingplatz auf ... aber die 23 Pfund der ersten blieben ungeschlagen ;-).

Mo: Isle of Portland-Bournemouth-Hurst
Diesmal wollten wir im Hellen ankommen und reduzierten unser Tagesziel. Als erstes ging es zur Isle of Portland, von wo aus man einen tollen Blick auf die vorgelagerte küstenparallele Sanddüne genießen konnte. Dannach hatten wir uns nur noch Bournemouth vorgenommen. Im dortigen Pier ließen wir wieder viel zu viel Geld und machten uns frühzeitig auf Campingplatzsuche. So blieb uns zum ersten Mal Zeit für ein kleines lockeres Läufchen direkt am Strand entlang in den Sonnenuntergang hinein. Zum Abendbrot gab es frisch gekochte Tortellini und der Tag war auch schon wieder vorbei.

Di: Southampton-Brighton-Harlow
Unsren letzten Tag wollten wir in Southampton verbringen und dann Richtung Stansted aufbrechen. Doch Southampton war weniger schön. Ne richtig große Hafenstadt, die auf Containerschiffe und - LKWs ausgerichtet war. Aber es gab ein letztes mal (zumindest für mich ;-)) Fish and Chips und wir besuchten das Titanicmuseum. Denn - von Southampton stach ja vor fast 100 Jahren die Titanic in See ...
Doch Moritz hatte die Spielersucht gepackt und als ich ihm vom Pier in Brigthon erzählte war klar- noch ein kleiner Abstecher musste sein. Der kostete uns zwar nicht viel Zeit, trotzdem kamen wir wieder viel zu spät auf ein Campingplatz, somit wurde es nix aus unserm "im-Hellen-Packen". Doch der Platz war echt richtig schön wie sich am nächsten Tag herausstellte - mit Weiher, Weiden, Gondeln auf dem kleinen Bach und wirklich hübsch. Nur fuhr direkt davor der Stanstedexpress entlang ... auch in der Nacht ... alle 15-20 min. ... ;-).

Mi:Harlow-Standsted ...
Früh um 6 klingelte der Wecker - ein letztes Mal Zelt zusammen packen. Mein Gepäck war angenehm geschrumpft, Moritz seins war ... jaaa ... wie jemand der halt mit seinem ganzen Hab und Gut durch die Gegend zieht. Der Flitzer wollte noch ein letzten mal gefüttert werden und dann mussten wir ihn seinen Weg gehen lassen... aber das war nicht der letzte Abschied. Noch ein paar gemeinsame Minuten auf dem Flughafen .... und dann ging mein vollgepackter Moritz in die eine Richtung zum Bus.. und ich in die andere zum Boarding ....

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